„Eigentlich habe ich genau hier bis zu den Neunzigern Zigarren hergestellt“, erklärt Bianka Maker. Nun sitzt die 48-jährige mit Frau Becker,  einer Bewohnerin des ASB Seniorenzentrums „Normannsteinblick“ Treffurt am Tisch und liest  ihr vor. Oder sie geht mit den Bewohnern in den Kräutergarten, spazieren, bringt sie zum Bus und unterstützt mit insgesamt 30 Wochenstunden die Betreuer mit Vor- und Nachbereitungsarbeiten.

 

Ohne Führerschein, mit Kindern und auf dem Dorf hat Marker den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt mehrfach versucht, aber nicht so richtig gemeistert. „Den Pflegebereich kann ich mir durchaus als langfristige Beschäftigung vorstellen“, sagt Bianka Maker, „ich hatte bereits ein Praktikum und hier nun eine erfüllende Beschäftigung“.

 

Das Seniorenzentrum des ASB, welches seit 2001 in Treffurt genau auf der alten VEB Zigarrenfabrik steht, ist im Rahmen des Projektes „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ (SoTA) für die nächsten 2,5 Jahre ihr neuer Arbeitgeber geworden. „Wir haben im Wartburgkreis 100 Förderplätze für zusätzliche Arbeiten bei Unternehmen jeder Art erhalten“, erläutert Susanne Zenkert, Geschäftsführerin des Jobcenters Wartburgkreis. Für dieses neue Projekt, welches dem Programm 50+ folgt, werden Langzeitarbeitslose über 35 Jahren mit verschiedenen weiteren Einschränkungen für die 2,5 Jahre gefördert. Obwohl der Start gut war, sind noch mehr als 20 % der Förderplätze frei. „Wir sind an weiteren offenen Arbeitgebern interessiert“, ist Zenkerts Botschaft.

 

Diese Botschaft hatte Torsten Seubert, Heimleiter des ASB in Treffurt rechtzeitig vernommen und damit vier Langzeitarbeitslosen die Chance auf einen besseren Wiedereinstig vermittelt. „Wir haben 52 Heimbewohner sowie 12 Tagespflegeplätze und 9 seniorengerechte Wohnungen im Haus. Zunehmend steigend ist der Anteil von Demenzkranken. Mit dem SoTA Projekt können wir unseren Bewohnern noch umfangreichere Angebote unterbreiten und gleichzeitig den betroffenen Arbeitslosen die Arbeit mit Senioren und Pflegebedürftigen näher bringen“, so der Heimleiter. So gibt es für die Älteren verschiedene Projekte, wie den Kräutergarten, die Gestaltung der musikalischen Umrahmung des Tages und die Dokumentation „Das waren noch Zeiten“, wo Erlebnisse und Geschichten der Bewohner verarbeitet und erhalten werden.

 

„Schritte wie diese sind notwendig“, weiß Susanne Zenkert. Im Bereich der Geschäftsstelle Eisenach zählt man derzeit 1.134 Langzeitarbeitslose, 1.026 bzw. 90 % von ihnen sind im SGB II und Kunden des Jobcenters. „Dahinter verstecken sich viele Schicksale, die durch ähnliche Rahmenbedingen wie die von Bianka Marker nicht mehr den Einstieg in den derzeit stabilen Arbeitsmarkt rund um Eisenach geschafft haben. Diese benötigen unsere Hilfe und offene Unternehmen wie  das Pflegeheim“.

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